Gab es im Laschder Wald früher einen Zauberspruch?

Fragen Enkelkinder und bekommen schon mal eine märchenhafte Antwort. So entstehen oftmals Geschichten, erfunden und gedichtet. Aber zuallererst muß mal erklärt werden, wo das Märchen sich eigentlich abspielt. Im Bliesgau, ganz in der Nähe bei einem großen Ort mit seinem Weiher, gibt es auch den Laschder Wald. Darinnen soll es sogar verzauberte Felsen geben, so bekamen es die Kinder schon früher erzählt. Es stürzen Bäume um und vermodern. Die liegen dann meist kreuz und quer herum, zum Teil auch über zerfurchten Waldwegen und erschweren so den Leuten den Fußweg im Wald. Es wachsen aber auch schöne bunte Blumen hier, von denen aber einige so giftig sind, daß man sie besser nicht anfassen sollte. Und wenn es dann am späten Abend dämmrig wird und richtige Nebelschwaden die Sicht in dieser schon fast richtigen Wildnis einschränken, ist des Öfteren ein geheimnisvoll klingendes hu-hu-hu-hu zu hören. Das ist die Nachteule. Wenn sie ruft, müssen kleine Kinder ins Bett zum Schlafen. Außerdem ist es dann sogar den wenigen Menschen, die noch so spät im Wald Hutzelchen und auch Brennholz für den Ofen zum Feuer machen sammeln, schon irgendwie unheimlich. Vor allem wenn sie an die beiden verzauberten Felsen an den steilen Hängen denken. Aber auch um die dunklen Höhlen, die es ja in diesem urigen Gelände noch gibt, macht man lieber gleich einen Umweg. Doch wie kamen vor allem die beiden Felsgesteine, die aussehen wie Gesichter, eigentlich hierher? Das allerdings ist eine uralte Geschichte die jetzt endlich mal jemand erzählt.  

Opas kleiner Huppser.

Als es damals, vor ur-ur-ur-ewigen Zeiten im Frühjahr noch sehr viel regnete, war der mit Regenwasser gefüllte Teich im Obertal die Heimat der Waldfrösche. Die fühlten sich hier sehr wohl und lebten in Saus und Braus. Dann aber Monate später im Herbst, als die Tage schon merklich kühler wurden und das Laub der Bäume sich bunt färbte, blieb nur noch eine schlammige Pfütze vom Teich übrig. Allmählich begann nun wie alle Jahre die große Wanderung der Frösche zum Winterschlafplatz. Doch der kleine Frosch, der noch keinen einzigen Geburtstag gefeiert hatte, war viel zu faul, er wollte nicht mit seiner Familie wandern, wo man eh nur müde wird. Er war wie alle Kleinen der Mittelpunkt der Familie und wurde jeden Tag von morgens bis abends verwöhnt. Nicht nur bei seinen Eltern, nein auch bei Opa und Oma war er der kleine Huppser. Doch Wandern, dieses Wort konnte er gar nicht leiden, das ist doch wohl das Gleiche wie spazieren gehen. Wenn er da manchmal zum Laufen zu faul ist, wird er schon mal vom Opa auf den Schultern getragen. Uiii, ist das dann hoch, da schlottern einem ja die Froschschenkel. Aber Winterwanderung, brrrr, das klingt ganz kalt, dazu das viele Gepäck, Essen und Trinken, auch alles sonst noch was die Erwachsenen für wichtig halten. Er, der Kleinste in der Familie, soll diesen Herbst auf der Wanderung zum Winterlager zum ersten Mal in seinem Leben mithelfen den Froschhaushalt zu schleppen, zumindest sein eigenes Spielzeug. Es wurde einfach so bestimmt ohne ihn zu fragen. Nein das ist nichts für mich, dazu hab ich überhaupt keine Lust, überlegt sich der kleine Frosch und meutert. Insgeheim hofft er, daß die Erwachsenen wie meistens Mitleid mit ihm haben und ihn auch noch trösten. Doch dieses Mal sprach sein Vater in ernstem Ton ein Machtwort mit seinem verwöhnten Zögling. Der hatte seinen Vater so noch nie reden gehört, ein wichtiges Machtwort, uijuijui. Irritiert quakt er jämmerlich, dann wird er nämlich von Opa und Oma schon mal in Schutz genommen und bekommt als Trost was zum Naschen. Doch diesmal reagieren die Großen gar nicht so freundlich wie sonst. Die Familie beschloss schließlich, dem bockigen Kleinen eine Lehre zu erteilen. Sie ließen den kleinen Frosch zur Winterwanderung zurück und dachten, daß er schon noch nachkäme. Doch die Rechnung machten sie ohne den kleinen Naseweis, der nicht nachkam und sich stattdessen lieber auf die faule Haut ins weiche Moos setzte und den ganzen Tag in den Wald träumte. Einige Tage später wurde im Obertal das Wasser vom Teich entgültig zur Pfütze und der kleine Frosch bekam es mit der Angst zu tun. Was sollte er nur machen? Alle waren längst fort und hörten sein Rufen, äh Quaken nicht. So jung er noch war, nach einiger Zeit wurde er doch ärgerlich. Was sind denn das für Rabeneltern, die sich nicht um ihren Nachwuchs kümmern, überlegte er. Diese Behandlung kannte er nicht. Schließlich wurde ihm sonst jeder Wunsch erfüllt, meistens jedenfalls. Doch es nutzte alles nichts. Er war allein gelassen. Hilflos irrte er anschließend im Wald umher. Er war noch so klein, daß selbst die einfachsten Hügel für ihn zu fast unüberwindbaren Bergen wurden. Totmüde traf der kleine Quaker nach vielen, vielen Stunden zufällig den Hüter des Waldes, den ur-ur-ur-alten Steinmetz. Der wurde in Urzeiten zu Fels verzaubert. Warum weiß heute niemand mehr so genau. Bevor der Steinmetz damals verzaubert wurde, hatte er noch einen einzigen Wunsch, der ihm aus Mitleid auch erfüllt wurde. Er wollte auf einem Hügel stehen, damit er niemals seine Heimat vergisst, das wünschte er sich sehr. Hier oben am Hang vor dem dichten Urwald hatte er eine wunderbare Aussicht. Da konnte er nun seit ewigen Zeiten die Jeddcher, so nennt man die unversteinerten Wesen unten im Tal, beobachten, was sie so trieben. Weil Frösche damals die Zaubersprache beherrschten, konnte der kleine Quaker mit dem verzauberten Felsen, dem Steinmetz sprechen. Tief vom Boden schaute er hoch zu ihm und sagte mehr zum Spaß: „wenn du mich zu Stein verzauberst, brauche ich nicht mehr laufen“. Erfreut hörte der Steinmetz zu. Endlich hatte er eine Möglichkeit, entzaubert zu werden, er wußte natürlich auch wie. „Na gut“, sprach der weise Steinmetz, „ich hab Mitleid mit dir“. „Wenn jemand aus deiner Familie nach dir sucht und dich hier findet, wirst du automatisch vom Zauber erlöst und bist kein Fels mehr. Doch nur unter einer Bedingung. Auch mich mußt du vom Zauber erlösen und zurückverwandeln“. „Aber ein Zauberwort ist sehr geheim das niemand hören darf, besonders die Menschen nicht. Die meisten Kinder können normalerweise nichts geheim halten und erzählen alles weiter. Ich sag dir daher das Zauberwort leise in dein großes Froschohr“, was er dann auch tat. Dieses Zauberwort ist ja ganz einfach, das kann ich mir gut merken, dachte der kleiner Schlaumeier. Da mußte er insgeheim doch lächeln, klar werde ich von der Familie gesucht, da war er sich ganz sicher, er war ja schließlich Großvaters kleiner Huppser, so sagte dieser oft zu ihm. Also hatte er auch keine Angst vorm Zauber. „Ich bitte um Aufmerksamkeit für einen wichtigen Zauberspruch“, rief der Steinmetz nun laut in den großen Wald. „Hokus, Pokus.....“, die weiteren Worte konnte nur der kleine Frosch, sonst niemand verstehen. Nämlich am steilen Hügel, wo der Steinmetz sich gerade aufhielt, rauschte plötzlich ein fürchterlicher Sturm durch das Laub der hohen Baumstämme, daß sich die Äste bis auf den Waldboden herunterbogen. So ein Unwetter gehört zum Zauberwort zusammen mit dem Zauberspruch, damit dieser auch wirkt. Als es endlich windstill wurde, war der Kleine tatsächlich verzaubert. Weil es aber auch heute im Wald und an Teichen immer noch Frösche gibt, wurden der verzauberte Steinmetz und der kleine Frosch vor langer Zeit tatsächlich vom Frosch-Opa entdeckt und waren anschließend nicht mehr verzaubert. Danach konnte der kleine Frosch selbst eine Familie gründen und auch seine Kinder und Enkelkinder und auch die Urenkelkinder, jede nun kommende Generation hatte eigene Froschkinder, na ja, es sind mittlerweile so viele, daß man die unmöglich zählen kann. Aber ab damals gaben die Frösche aus Aberglaube allen ihren Kindern den Namen Kaulquappe. Hier nun endet die Geschichte vom kleinen Frosch. Es bleiben als Erinnerung an diese Froschlegende nur die Versteinerungen zurück und die sind im verwilderten Wald, hier nahe am Würzbacher Weiher, in tausend Jahren immer noch zu sehen.

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