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Gasometer Explosion im Saarland

Am Gasometer mit der Aufschrift „Neunkircher Stahl“ wird an die furchtbare Gasometer-Explosion erinnert, die 62 Tote, 160 Schwer- und etwa 400 Leichtverletzte forderte. Der Vorgänger des jetzigen Gasometers an der Saarbrücker Straße geriet am 10. Februar 1933, einem Freitag, in Brand, und explodierte gegen 18.07 Uhr in einer gewaltigen Detonation, deren Knall in einem Umkreis von 150 km gehört wurde. Der Stadtteil Niederneunkirchen wurde weitgehend zerstört, von zehn Häusern und ihren Bewohnern war keine Spur mehr zu finden.

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unterirdisch

Durch Misch-und Tannenwald geht es hinauf zu meinem Ziel, zum Schneckenbrunner Hof. Obwohl teilweise steil aufwärts, ist diese anspruchsvolle Route im hinteren Obertal, mit der Eichel als Wegweiser, dennoch entspannt zu wandern. In Sichtweite vom „weißen Haus“, meinem aktuellen Foto-Projekt, das sogenannte Milchheisje am Römerweg. Immer geöffnet. Landwirtschaftliche, frische Produkte sind auf freiwilliger Basis entnehmbar.

Doch hier oben am „weißen Haus“, in einer landschaftlich wunderbaren Umgebung, war das örtliche, bäuerliche Anwesen von jeher verloddert. Vom nahen Wanderweg behinderten Büsche die Sicht auf den Gebäudekomplex. Katzen zeigten sich wenig zutraulich, sie streunten wohl meist Draußen herum. Müll wurde zeitweise im Auto entsorgt und manchmal qualmte auch der Schornstein. Irgend jemand wohnte hier, nur Personen waren selten zu sehen. Es gab kein Eingangstor oder gar eine Umzäunung, aber Neugierde gab es schon beim Blick zum Anwesen und beim vorbeilaufen ging es meist etwas forscher weiter, beäugt vom Hofhund im Hintergrund.

Jetzt, im Herbst 2015, nutze ich das seit längerem unbewohnte Gelände zum Fotografieren und noch immer lässt sich ein leichtes Unbehagen beim Betreten der Ruinen nicht ablegen.

Bei den Recherchen der Aufnahmen wird von Unfällen gemunkelt, nichts Konkretes ist zu erfahren. Nur soviel, ich entdecke die eine Grabplatte im Gestrüpp, doch sie ist fast symbolisch zu dem ganzen Drumherum zu nehmen (Aufnahme 3).

Der erste Flirt

Anfang der 1970er Jahre. Die Stahlindustrie und der Steinkohlebergbau bei uns im Saarland florierte. Im Dunstkreis dieser Montanindustrie wurden in Saarbrücken Lottoscheine gedruckt und ich war beteiligt, es war mein Job. Die Malstatt-Burbacher-Handelsdruckerei in der Parallelstraße, 12 Uhr mittags. Leipziger Eck, Brückenschenke. Im Ausschank Neufang Bier und Bruch Bier. Es waren bevorzugte Kneipen etlicher unserer Mitarbeiter zur Pause. Doch längst ist alles Geschichte, wie auch Kohle und Stahl.

Die Erinnerung blieb, schließlich trafen wir uns hier zum erstenmal, vor mittlerweile 42 Jahren, in der MBH!

Luftverschmutzung, noch kein großes Thema in dieser Zeit, war halt so. Bei Regenwetter war es besonders heftig. Stark eingeschränkt war dann die Sicht, alles von der Abluft der Hüttenindustrie zugemüllt. Da blieben die Fenster geschlossen. Nachts die andauernden Rangiergeräusche der Güterzüge am nahen Bahngleis. Dazu oben drauf noch den charakteristischen Stahlgeruch, der über all dem in der Luft lag. So war Smog und nicht anders.

Heute werden in Völklingen die in die Jahre gekommenen, rostigen Zeitzeugen in Ehren gehalten. Sie gehören zum Weltkulturerbe! Und hier im Rundgang kommen sie auf Filmmaterial wieder zum Vorschein, die Zeiten von Gestern, der Stolz der Hüttenarbeiter nach dem Motto: mir schaffe uff de Hütt.

Jardin mystique,

eine Formulierung aus dem Sachbuch „Gruben und Bergbau Landschaften im Saarland von Slotta/Reinhardt“. Treffender ist die Örtlichkeit auf dem Plateau der Berghalde Lydia am Neujahrstag 2015 nicht zu umschreiben. Zuvor bestimmten mal wieder milde Temperaturen die späte Jahreszeit 2014, ein Winter der keiner ist, sagen sie in den Medien und man könnte es glauben. Doch dann in den allerletzten Dezembertagen schneit es nachts. In der Morgendämmerung geht der Blick zum Fenster raus, draußen ist die Landschaft weiß. Eine vor allem für Kinder brauchbare Schneeschicht bedeckt den Boden. Soll heißen, Schlitten raus und ab auf die Höhen der Berghalde, wo die Gelegenheit zum Rodeln günstig ist. Der dichte Nebel im „mystischen Garten“ am Neujahrstag 2015 bietet auch mir vor Ort die seltene Gelegenheit zu nicht alltäglichen Aufnahmen, wo Zeit zur Nebensache wird.

Die Grube Camphausen bei Dudweiler wurde 1990 stillgelegt. In dieser waldreichen Gegend im Stadtgebiet Saarbrücken stehen die Fördertürme der einstigen Kohlegruben immer noch in Reih und Glied. Diese Türme gelten immer noch als Denkmäler für eine Jahrzehnte lange Epoche stolzer Bergleute, die uff de Grub geschafft hann. Zwischen Fischbachtal auf der einen Seite und gegenüberliegend dem Sulzbachtal befindet sich die Grubenhalde Lydia des ehemaligen Bergwerkes Camphausen. Diese in ihrer Höhe und Ausdehnung imposante Schlackenhalde ist seit 2006 für die Öffentlichkeit freigegeben. Das Plateau auf der Höhe lässt sich treffend zum Feiertag beim Spass im Schnee hervorragend nutzen. Bergauf ist es nicht allzuweit, auch nicht zu sehr anstrengend, am einfachsten ist das Haldenplateau wohl von gegenüber der Siedlung Camphausen zu bewältigen. Jedoch aber auch auf eigene Gefahr, so die warnenden Hinweisschilder, was mich wegen des Bekanntheitsgrades und auch der öfteren Werbung für die Camphauser Halde Lydia doch erstaunte. Auch mein Abstieg am späten Nachmittag auf schneebedeckten, vereisten Boden war nur mit großer Vorsicht zu bewältigen, letztendlich war es ein Wintertag, der mir lange in Erinnerung bleiben wird.